14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Ökologisch engagierte Bürger gestalten die Energiezukunft mit

Von Anfang an haben viele ökologisch motivierte Menschen die österreichische Windkraft unterstützt, indem sie über Bürgerbeteiligungen zahlreiche Projekte mitfinanziert haben

Aktuelle Kapitalerhöhungen zeigen, dass diese Form der ökologisch sinnvollen Geldanlage nach wie vor hoch im Kurs steht

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Auch das Ringen um die neue EU-Verfassung hat es wieder einmal bewiesen: Wenn die Politik an den Wünschen der Bürger vorbeiregiert, hat die Demokratie neben dem Schaden auch noch den Spott. Demokratie bedeutet bekanntlich, dass der Wille des Volkes oberste Priorität im Staat hat. Daher muss man das Volk, die Bürger und Bürgerinnen, eben fragen, was sie wollen. Die Windkraft muss sich da nicht verstecken. In zahlreichen Umfragen wurde deutlich, dass die österreichische Bevölkerung dem Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien mit überwiegender Mehrheit positiv gegenübersteht. Stolze 90% sind dafür, dass in Österreich Windkraftwerke weiter ausgebaut werden sollen.

Erste Bürgerbeteiligung Österreichs

Die Geschichte der österreichischen Windkraft wurde von Anfang an von engagierten Bürgern und Bürgerinnen mitgetragen. Damit sind aber nicht nur die vielen Idealisten und Pioniere gemeint, die die Aufstellung von Windrädern betrieben haben, sondern auch die vielen „unsichtbaren“ Unterstützer, die ihr privates Geld in Windprojekte investiert haben. Schon
wieder 10 Jahre ist es her, dass die WEB in Michelbach die erste Windkraftanlage Österreichs errichtete. Mehr als hundert Menschen nutzten damals die neue Möglichkeit der Bürgerbeteiligung und brachten Geld in der Form von Ökodarlehen in das Projekt ein. Die wenigsten davon machten sich Gedanken, ob sie für ihr Geld wie bei der Bank auch Zinsen bekommen würden.
Die meisten von ihnen wollten ganz einfach aktiv an der Gestaltung einer nachhaltigen Energiezukunft mitwirken, die auf regenerative, saubere Energiequellen setzt.

WEB will weiter wachsen

Mittlerweile ist die WEB, nunmehr als Aktiengesellschaft organisiert, zum größten Bürgerbeteiligungsunternehmen der österreichischen Energiebranche gewachsen, an dem heute mehr als 2.200 Aktionäre nahezu 220.000 Aktien halten. Dass die WEB AG trotzdem noch immer in ihrer Ursprungsregion verwurzelt ist, zeigt sich daran, dass etwa ein Drittel aller Aktionäre aus dem Waldviertel stammt. Bei der Anfang 2005 abgeschlossenen 6. Kapitalerhöhung wurden 54.120 neue Aktien gezeichnet und damit 10,6 Mio. Euro Neukapital in das Unternehmen eingebracht. Und die WEB will weiter wachsen. Auf der für 24. Juni anberaumten Hauptversammlung stand als nominell 7. Kapitalerhöhung die Einbringung der „Pannonia Ökostrom GmbH“, die vier in Planung befindliche 2-MW-Anlagen mitbringt. Wichtigster Tagesordnungspunkt war aber die 8. Kapitalerhöhung, die die Finanzierung von 24 Windkraftanlagen, deren Errichtung 2005 geplant ist, sicherstellen soll. Die Zustimmung der Hauptversammlung vorausgesetzt, sollen ab August rund 55.000 neue Aktien aufgelegt werden. Derzeit geht WEB-Finanzvorstand Andreas Pasielak aber davon aus, dass nicht alle Aktien gezeichnet werden müssen: „Da es sich um eine offene Kapitalerhöhung handelt, haben wir die Möglichkeit, die Kapitalerhöhung zu schließen, sobald die für den nächsten Ausbauschritt notwendige Summe von rund 9 Mio. Euro – das entspricht etwa 36.000 Aktien – eingeworben ist.“
Zu den derzeit 79 Windrädern der WEB sollen bis Jahresende 24 neue dazukommen, 11 davon allein in Österreich. Neues Terrain betritt die WEB in Frankreich und Tschechien: In der Picardie in Vauvillers gehen im Herbst sechs 2-MWTurbinen Vestas V80 in Betrieb. Im südmährischen Brezany werden es drei Vestas mit 850 kW sein. Zuwachs wird auch der
WEB-Anlagenpark in Mecklenburg-Vorpommern bekommen, wo im Dezember drei 2-MW-Anlagen aufgestellt werden sollen. Im Jahr 2005 wird die WEB insgesamt 54 Mio. Euro in neue Windpark-Projekte investieren. Dass in Zukunft die Finanzierung nicht immer über Kapitalerhöhungen laufen muss, begründet Andreas Pasielak so: „Aus unserem Cash Flow
können wir jährlich einen Windpark mit sechs 2-MW-Anlagen finanzieren. In Zukunft werden wir uns noch stärker auf die Umsetzung der wirtschaftlich attraktivsten Projekte konzentrieren und zunehmend aus eigenen Mitteln wachsen.“

www.windkraft.at

Sternwind in der zweiten Phase

Im August 2003 ging an der oberösterreichischen Grenze zu Tschechien mit einer Vestas V80 das erste Windrad der Sternwind GmbH ans Netz. Diese Anlage bildet den Grundstein eines größer konzipierten Windparks, zu dem heuer weitere sechs Vestas V90 dazukommen, also insgesamt 14 MW Leistung ausmachen werden. Zwei weitere Anlagen auf tschechischer Seite sind ebenfalls eingeplant und derzeit in Verhandlung. Bereits 2003 wurde die erste Windturbine mit Ökodarlehen von mehr als 60 Privatpersonen aus der Region mitfinanziert. Die zweite Ausbaustufe mit den 6 Stück V90 erfordert eine Investition von 16 Mio. Euro, wobei 25% über ein Bürgerbeteiligungsmodell aufgebracht werden sollen. Um vor allem auch der lokalen Bevölkerung den Einstieg in eine Windbeteiligung zu erleichtern, wird die Mindesttranche mit nur 1.000 Euro bewusst niedrig angesetzt, um eine möglichst breite Streuung zu erreichen. Es können aber auch Beteiligungen zu 3.000 Euro erworben werden, wobei der Anteil eines Einzelgesellschafters mit 30.000 Euro limitiert ist. Derzeit läuft gerade die Prospektprüfung, und Sternwind-Geschäftsführer Andreas Reichl ist überzeugt, dass die Beteiligung ein voller Erfolg wird: „Nicht nur die Gemeinde und Landespolitiker stehen zu unserem Projekt, sondern wir erhalten ja auch von den Menschen der Region äußerst erfreulichen Zuspruch. Deshalb gibt es natürlich auch sehr viele Interessenten für unser Angebot, sich an der Stromproduktion aus Windenergie finanziell zu beteiligen.”

www.sternwind.at

Große Nachfrage in Wolkersdorf

Über mangelnde Nachfrage an Beteiligungen kann sich auch die Ökoenergie Wolkersdorf nicht beklagen. Ganz im Gegenteil, wie Geschäftsführer Richard Kalcik berichtet: „Wir haben schon unser erstes Windrad 1996 mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung der Gemeinde Wolkersdorf und 230 privaten Gesellschaftern errichtet. Mittlerweile sind über 400 Personen an unseren einzelnen Betreibergesellschaften beteiligt. Wir gehen immer erst nach außen, wenn ein Windpark fertiggestellt ist. So wie jetzt der Windpark Obersdorf mit fünf Enercon E-66. Dann können die Leute gleich konkret sehen, woran sie sich beteiligen. Wir machen auch gar keine richtige Werbung für unsere Beteiligungen, weil wir wirklich die Menschen aus der Umgebung in unsere Projekte einbinden wollen. Und die kommen ganz von allein auf uns zu und fragen uns, wann denn die nächste Beteiligungsmöglichkeit besteht.“

www.oekoenergie.com

Simonsfeld verdreifacht Leistung

Über knapp 24 MW Leistung verfügt derzeit die Windkraft Simonsfeld mit
ihren drei Windparks. Auch diese insgesamt 18 Windkraftanlagen wurden mit tatkräftiger Unterstützung von privaten Windkraftsympathisanten finanziert. Die letzte Kapitalerhöhung brachte 5,9 Mio. Euro neues Kapital ein, das für die Errichtung des Windparks Steinberg-Prinzendorf verwendet wurde. Über 600 Gesellschafter halten derzeit ein Grundkapital von rund 8,3 Mio. Euro. Für 2005 hat die Windkraft Simonsfeld Großes vor, wie Geschäftsführer Martin Steininger berichtet: „Mit weiteren drei Windparks, die wir an günstigen Standorten im Weinviertel errichten werden, werden wir unsere Gesamtleistung nahezu verdreifachen, denn zu den bestehenden knapp 24 MW kommen dann weitere 46 MW dazu.“

Insgesamt werden sich die Kosten für die Errichtung der neuen Windparks auf 61 Mio. Euro belaufen. Für die Finanzierung des Eigenkapitalanteils wird im Rahmen der 6. Kapitalerhöhung bestehenden und potenziellen Gesellschaftern die Möglichkeit geboten, sich als Kommanditisten an der WK Simonsfeld GmbH & Co KG zu beteiligen. Beteiligungen in Tranchen zu je 3.000 Euro können ab sofort erworben werden. Die Kapitalerhöhung läuft bis auf weiteres, wobei sich der Preis der Beteiligung laufend erhöht. Ab 1. Jänner 2006 müssen dann schon 3.100 Euro bezahlt werden. Insgesamt wird ein Neuvolumen von 6 Mio. Euro angepeilt. Da sich auch die WK Simonsfeld als breitgestreute Beteiligungsgesellschaft versteht, wird die individuelle Beteiligungssumme mit höchstens 5% des Festkapitals beschränkt, um die Dominanz der Gesellschaft durch einzelne Gesellschafter auszuschließen. Martin Steininger zeigt sich für die nahe Zukunft optimistisch: „Trotz allem, was derzeit in der österreichischen Energie passiert, wissen wir um die Unterstützung aus der Bevölkerung für unsere Vorhaben. Diese Kapitalerhöhung wird ja die bisher größte für uns sein, und wir werden damit und durch die damit finanzierten Projekte einen gewaltigen Sprung nach vorn machen. Und aller Voraussicht nach werden wir im Lauf der nächsten Monate auch unseren tausendsten Gesellschafter willkommen heißen können.“

www.wksimonsfeld.at

Strom produzieren und vertreiben

Im Jahr 2004 konnte die oekostrom AG den Umsatz ihrer Vertriebs GmbH von 1,9 Mio. (2003) auf 3,9 Mio. Euro mehr als verdoppeln. Für 2005 wird ein Umsatz von rund 7 Mio. Euro angepeilt. Und bekanntlich produziert sie Ökostrom auch gleich selber. Neben der zweiten Ausbaustufe des Windparks Parndorf, der nun aus 13 Anlagen mit gesamt 19,5 MW Leistung besteht, wurden vor kurzem auch zwei Biogasanlagen im steirischen Hartberg in Betrieb genommen. Gemeinam mit der „Envesta“, der Energieversorgung des Stiftes Admont, plant die oekostrom AG ihr erstes Kleinwasserkraftwerk mit 1,8 MW Leistung. Für diese und weitere Projekte versucht die oekostrom AG mit ihrer 4. Kapitalerhöhung Neukapital einzuwerben. Seit Beginn sind 820.000 Euro in das Unternehmen geflossen, die das Stammkapital auf knapp 5,4 Mio. Euro erhöht haben, das von rund 930 Aktionären gehalten wird. Seit 1. April 2005 kostet die oekostrom-Aktie 155 Euro, und die Kapitalerhöhung läuft noch weiter. Bei der Hauptversammlung am 2. Juni konnte Vorstand Ulfert Höhne den Aktionären freudig vermelden, im Geschäftsjahr 2004 den Break Even geschafft zu haben, und mit 300.000 Euro erstmals einen Gewinn ausweisen.

www.oekostrom.at