14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Europäische Kommission: Windkraft wird im nächsten Jahrzehnt den größten Anteil der neu installierten Kraftwerksleistung ans Netz bringen

Ohne öffentliche Ankündigung hat die Europäische Kommission die neuen Energie-Szenarien für die EU „EU Energietrends bis 2030“ veröffentlicht, laut denen der Ausbau der Kraftwerkskapazitäten zwischen 2011 und 2030 nicht weniger als 333 GW betragen soll.

© Quelle: Europäische Kommission
 © Quelle: Europäische Kommission

Die Kommission erwartet, dass 64% der neuen Kapazitäten erneuerbare Energie, 17% Gas, 12% Kohle, 4% Atomenergie und 3% Erdöl ausmachen. Die Windkraft würde dabei mit 136 GW - 41% der neu errichteten Kraftwerksleitung - die Nummer 1 in Europa bleiben.

Laut diesem Szenario soll die Windkraft bis zum Jahr 2020 14% der europäischen Stromproduktion liefern. Aktuell gibt es schon 80 GW Windkraft in Europa, womit 5% des gesamten europäischen Stroms erzeugt werden.

„Die europäische Kommission hat erkannt, dass Windenergie 2020 eine signifikante Rolle im europäischen Stromsystem spielen wird - in Übereinstimmung mit der gegenwärtigen Marktsituation, der EU Gesetzgebung und den Erwartungen der Industrie.“, so Christian Kjaer, CEO der European Wind Energy Association (EWEA). Er betont weiters: „Das bedeutet, Windenergie wird sauberen Strom für 120 Mio. EU-Haushalte liefern.“

Was die Gesamtwindkraftleistung betrifft hat die Europäische Kommission im Vergleich zum Szenario von 2008 nun die Erwartungen bis zum Jahr 2020 um 85% von 120 GW auf 222 GW erhöht. Das kommt dem 2020-Ziel der EWEA von 230 GW sehr nahe.

Für 2030 wurden die Erwartungen auf 280 GW Windkraftleistung verdoppelt, im Vergleich zu den 2008 geplanten 146 GW. Hier unterscheiden sich die Erwartungen der Kommission und der EWEA – 400 GW bis 2030 – aber wesentlich.
Das Szenario der Kommission beinhaltet nämlich ab 2020 eine drastische Reduktion des Windkraftausbaus – neu installierte Windkraftleistung von nur 58 GW von 2020 bis 2030. Die Kommission geht davon aus, dass der jährliche Zuwachs von 13,6 GW bis 2020 auf 5,8 GW bis 2030 zurückgehen wird, so die Begründung. 2009 gingen in der EU mehr als 10 GW Windkraft ans Netz.
Für Kjaer ist ein solch plötzlicher Rückgang an Windkraftinvestitionen nach 20 Jahren unrealistisch, vor allem, wenn man die ambitionierten Ausbaupläne im Offshore-Bereich berücksichtigt. Die Prognosen der EWEA können zusätzlich als konservativ angesehen werden. Bis jetzt sind sie immer vom tatsächlichen Windkraftausbau übertroffen worden.

Weiterführende Links

Link zum EU-Kommission Szenario (PDF)
Link zu den EWEA Szenarien (PDF)