14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Mit Know-how von Mercedes

Betriebsführung und Verfügbarkeit ganz oben auf der Agenda

Mit den Anfang Dezember abgeschlossenen Maßnahmen zur Einwerbung von neuem Kapital beginnt die WEB Windenergie AG ihr Projekt „Verdoppelung der Gesamtleistung in fünf Jahren“. Die bislang 10. Kapitalerhöhung wurde dabei von einer Novität begleitet. Als erstes Unternehmen Österreichs hat die W.E.B eine Windkraft- Anleihe aufgelegt; und das mit fünf Prozent Verzinsung und einer relativ kurzen Laufzeit von fünf Jahren zu äußerst attraktiven Konditionen. Wie punktgenau dieses Angebot die Ansprüche potenzieller Anleger getroffen hat, zeigt die Tatsache, dass rund zwei Drittel der neu eingeworbenen 15,4 Millionen Euro durch die Anleihe zustande kamen.

Mit Automotive-Erfahrung

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Neben Projektierung und Expansion steht bei der W.E.B aber vor allem ein Thema ganz oben auf der Agenda: Betriebsführung und Verfügbarkeit. Denn wie Vorstandsvorsitzender Andreas Dangl vorrechnet: „Eine Differenz von 1,5 Prozent in der Verfügbarkeit entspricht bei uns einem siebenstelligen Betrag, den wir als Mehrgewinn für unsere Aktionäre einfahren.“ Um diesem Bereich auch organisatorisch den gebührenden Stellenwert zu geben, wurde im April 2010 mit Frank Dumeier ein eigener Technik-Vorstand bestellt. Über 20 Jahre lang hat Dumeier Autos gebaut – für Mercedes in Stuttgart, für Daimler-Chrysler in Detroit, für Freightliner in Portland. Jetzt kümmert sich Dumeier um die Technik und den Betrieb der W.E.BKraftwerke. Seine Mitarbeiter kennen ihn als akribischen Arbeiter, der umfangreiches Know-how mitbringt: „In der Automobilbranche wird bei der Optimierung mit der dritten Nachkommastelle gearbeitet, da ist alles schon total ausgetüftelt. Die Windbranche ist noch sehr jung und ganz rasch gewachsen, deshalb wurde allgemein der Fokus bisher noch nicht so auf Optimierung beziehungsweise auf einen höheren Reifegrad der Prozesse gelegt.“ Professionelle Betriebsführung und präventive Instandhaltung sind Dumeiers Credo. Heute gibt es selbst für Kleinteile wie Lüfterschütze fixe Tauschpläne. Darüberhinaus wurde auch das Thema Großkomponenten angegangen. „Als ich gekommen bin“, berichtet Dumeier, „wurden die Großkomponenten mit dem Kran heruntergeholt; heute tauschen wir Einzelteile präventiv oben auf der Anlage. Das kostet meist nur ein paar tausend Euro, aber ein kompletter Generatorwechsel kostet beispielsweise 150.000 Euro.“ 2007 lag die Gesamtverfügbarkeit der W.E.B-Kraftwerke bei rund 94 Prozent, heute liegt sie bei 97 Prozent. Dumeier unterscheidet sehr genau: „Die meisten Betreiber sprechen von 97 Prozent Verfügbarkeit, meinen aber nur die technische. Wir sprechen von 97 Prozent Gesamtverfügbarkeit, das entspricht 98,5 Prozent technischer Verfügbarkeit.“

Ein Bündel an Maßnahmen

Den Weg dorthin erklärt Frank Dumeier so: „Zur Erhöhung der Verfügbarkeit gibt es nicht die eine Maßnahme, die alles entscheidend ist; das wurde durch ein ganzes Bündel an Maßnahmen erreicht. Wir haben jeden einzelnen Schaden, der aufgetreten ist, genau angeschaut, analysiert und dann abgestellt; und damit aus den Fehlern gelernt und uns ständig verbessert.“ Die Erfahrung mit Windkraftanlagen hat sich Dumeier in Eigenregie erworben: „Ich habe 20 Jahre lang Autos gebaut, die unsere natürlichen Ressourcen verbrennen. Aber irgendwann wollte ich meine persönliche Lebensenergiebilanz ins Reine bringen. Ich habe mir in Deutschland eine eigene 1,75-MW-Windkraftanlage gekauft, bin Windmüller geworden und habe dadurch viel Erfahrung in der Betriebsführung gewonnen.“

Weiterführende Links

Dieser Artikel erschien in der "windenergie"-Ausgabe Dezember 2010/Jänner 2011