14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Das Energiesystem ist voll im Wandel

Wir brauchen neue Lösungen für unsere Stromnetze

Unsere Netzinfrastruktur stammt aus dem vorigen Jahrhundert. Damals wurde sie auf die Bedürfnisse zentraler Erzeugungseinheiten von Großwasserkraftwerken und großen kalorischen Kraftwerken ausgerichtet. Die Kosten dafür wurden auf die Endkonsumenten überwälzt; die Stromerzeuger mussten nichts dazuzahlen. Heute ist der Wandel weg vom zentralen, fossil-atomaren Energiesystem hin zum dezentralen, erneuerbaren System voll im Gang. Auch der erhöhte Stromverbrauch, die starken Veränderungen im Nutzungsverhalten der Verbraucher und die zukünftige Nutzung des Netzes für Informationszwecke (Smart Grid) haben die Ansprüche an das Stromnetz verändert. Mit einem Wort: Die alten Stromnetze taugen nicht mehr für die aktuellen Bedürfnisse der modernen Gesellschaft. Wir müssen die Stromnetze an diese und auch an zukünftige Bedürfnisse anpassen.

Heimischer Ökostrom massiv benachteiligt

Genau in dieser Situation, in der ein Umbau der Netzinfrastruktur dringend erforderlich ist, werden die Kosten dafür vermehrt Erzeugern angelastet. Allerdings: Die großen zentralen Erzeuger, die in das Hochspannungsnetz einspeisen, sind von diesen Kosten befreit. Sehr wohl aber werden den neuen dezentralen Erzeugungseinheiten der erneuerbaren Energien über die Netztarife neue Kosten aufgebürdet. Auch ist die Belastung der heimischen Stromproduktion mit den Netzverlustkosten energiepolitisch kontraproduktiv, weil unsere Nachbarstaaten diese Kosten nicht von Erzeugern, sondern nur von Endkonsumenten einheben. Es wird also österreichischer Ökostrom, zum Beispiel aus Windenergie, mit Kosten belastet, die Stromimporte – inklusive Atomstrom!!! – nicht tragen müssen. Das ist eine unhaltbare Situation! Aber es kommt noch dicker. Zusätzlich zu den behördlich festgelegten Netztarifen wollen die Netzbetreiber auch noch die im Windkraftbereich zwar üblichen, aber keineswegs gerechtfertigten direkten Beiträge zum Ausbau der vorgelagerten Stromnetze massiv erhöhen (um mehr als 80 Prozent) und diese neuerdings auch von anderen erneuerbaren Energieträgern, wie zum Beispiel der Photovoltaik, einheben. Wir fordern daher eine rasche, offene und ehrliche Diskussion über die Anforderungen an moderne Stromnetze, über die damit verbundenen Kosten und deren Aufteilung.


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Dieser Artikel erschien in unserer Mitglieder-Zeitung "windenergie". Da viele der Artikel im Umfang für die Homepage optimiert wurden, empfehlen wir den Download des Original-Artikels.