14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Heimischer Windstrom im Nachteil

Österreichische Ökostromerzeuger werden mit hohen Entgelten belastet, Importstrom dagegen nicht

© gui yong nian / Fotolia
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Die schlechte Nachricht zuerst: Nachdem für die österreichischen Ökostromerzeuger schon in den letzten Jahren die mit der Nutzung der Stromnetze verbundenen Kosten explodiert sind, hat die E-Control mit 1. Jänner 2016 eine neuerliche Anhebung der Netzgebühren verordnet, die in einzelnen Regionen massive Erhöhungen bringt. Damit verschärft sich aber ein bereits bestehender gravierender Wettbewerbsnachteil für heimische Stromerzeuger noch mehr.
In Österreich erzeugter Strom, der durch österreichische Stromnetze geleitet wird, muss dafür eine Strommaut zahlen; ausländischer Strom, der in österreichische Stromnetze eingeleitet wird, muss dafür überhaupt nichts zahlen – und musste auch in seinem Heimatland nichts für die Netznutzung zahlen. Auf diese Weise wird die heimische Stromerzeugung im Vergleich zu ausländischen Kraftwerken eklatant benachteiligt, wobei für die Ungleichbehandlung von österreichischem und nicht-österreichischem Strom jegliche sachliche Begründung fehlt. Bis zum Jahr 2000, war Österreich netto gerechnet ein Stromexportland. Seit 2001 holen wir jährlich mehr Strom ins Land, als wir hinausschicken – wir sind zum Stromimporteur mutiert. Seit dem Jahr 2000 ist der Stromverbrauch in Österreich um 17% gestiegen.

Ungleichbehandlung

Doch nicht nur, dass die importierten Strommengen immer mehr werden, auch die Umweltbilanz des heimischen Stromverbrauchs wird damit immer schlechter. Denn die Stromimporte kommen zum überwiegenden Teil aus zwei Ländern – Tschechien und Deutschland. Und gerade diese beiden Nachbarländer weisen einen sehr hohen Anteil an Atom- und Kohlestrom auf. Ein Faktum, das IGW-Geschäftsführer Stefan Moidl besonders aufregt: „Absolut ärgerlich ist, dass der importierte Strom bis zu einem Viertel aus gefährlichen Atomreaktoren und zu einem hohen Anteil aus schmutzigen Kohlekraftwerken stammt.“
Verschärfend kommt dazu, dass österreichische Stromerzeuger mit Kosten belastet werden, die Importstrom nicht tragen muss. So gibt es die in Europa nahezu einzigartige Regelung, dass Stromerzeuger einen Teil des Netzverlustentgelts zahlen müssen – in keinem anderen Nachbarland ist das der Fall. Dieses Entgelt deckt die Kosten für die Stromverluste, die bei der Durchleitung durch das Stromnetz auftreten.

Misswirtschaft

Zu all den Schieflagen gesellt sich auch noch Misswirtschaft. Der vor vier Jahren neu und leider schlecht konzipierte Regelenergiemarkt ist dem Regulator E-Control praktisch völlig entglitten. Die Kosten für Regelenergie sind von unter 100 Mio. Euro (2011) auf 200 Mio. Euro (2014) explodiert. Diese Kosten sind über das Systemdienstleistungsentgelt zu einem Großteil von den Stromerzeugern zu tragen. Diese Komponente ist seit 2012 um 164% gestiegen – für Windkraftbetreiber bringt das eine Kostenexplosion.


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Dieser Artikel erschien in unserer Mitglieder-Zeitung "windenergie". Da viele der Artikel im Umfang für die Homepage optimiert wurden, empfehlen wir den Download des Original-Artikels.