14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Weniger neue Windräder bei gleicher Förderung

Niedriger Strompreis und teure Ausgleichsenergie reduzieren den Windkraftausbau.

Seit der Beschlussfassung des Ökostromgesetzes im Jahr 2011 steht für die Windkraft ein jährliches Förderkontingent von 11,5 Millionen Euro zur Verfügung. 2011 konnte die Ökostromabwicklungsstelle OeMAG damit noch neue Verträge für Windkraftprojekte mit einer Gesamtleistung von rund 140 MW vergeben. Seither hat es eine unvorhersehbare dramatische Preis- und Kostenentwicklung gegeben, sodass 2016 mit dem gleichen Volumen an Fördermitteln nur mehr Projekte mit rund 70 MW Verträge bekommen können.

Preisverfall am Markt

Die finanzielle Unterstützung für Strom aus einem Windkraftwerk errechnet sich aus der Differenz zwischen dem geltenden Einspeisetarif und dem jeweiligen Großhandelsmarktpreis für Strom an der Leipziger Strombörse EEX. 2011 lag dieser Preis im Jahresdurchschnitt bei 5,65 Cent/kWh. Aus zwei Gründen ist es seither zu einem eklatanten Preisverfall gekommen.
Da sie ihre CO2-Emissionen nach wie vor nicht kostenadäquat einpreisen müssen, nutzen Kohlekraftwerke europaweit ihre enormen Überkapazitäten voll aus und produzieren gewaltige Stromüberschüsse. Gleichzeitig drückt der höhere Anteil an eingespeistem Ökostrom mit seinen niedrigen Grenzkosten über den „Merit-Order“-Effekt den Preis weiter nach unten. Derzeit liegt der Marktpreis knapp unter drei Cent/kWh, also um mehr als 50% unter dem Niveau von 2011.
Zusätzlich sind durch die Systemumstellung bei der Aufbringung der Regel- und Ausgleichsenergie in Österreich die Aufwendungen der OeMAG für die Ausgleichsenergie enorm gestiegen – von 0,3 Cent/kWh im Jahr 2011 auf 1,6 Cent/kWh im Jahr 2015. Die besonders bittere Kostenunwahrheit dabei ist, dass die Ökostrombilanzgruppe der OeMAG zusätzlich noch Extrazahlungen an andere Bilanzgruppen leisten muss, sodass die Aufwendungen der OeMAG im Jahr 2015 in Summe 89% mehr als die gesamten Ausgleichsenergiekosten ausgemacht haben.
Für IGW-Chef Stefan Moidl eine fatale Entwicklung: „Da auch diese Kosten in die Förderung eingerechnet werden, bleibt noch weniger Geld für neue Windkraftwerke übrig. Da aber das Fördervolumen gleichgeblieben ist, können mit dem gleichen Geld von Jahr zu Jahr nur immer weniger Megawatt mit OeMAG-Verträgen ausgestattet werden.

Eine Studie an der Uni Erlangen-Nürnberg über die Auswirkungen der erneuerbaren Energien in Deutschland belegt, dass trotz der Kosten für die Ökostromförderung die gesamte Stromversorgung gerade wegen den Erneuerbaren wesentlich billiger gekommen ist als nur mit fossilen und atomaren Kraftwerken. Berücksichtigt muss auch werden, dass die alten konventionellen Kraftwerke längst abgeschrieben sind und deswegen mit geringen Kosten laufen können. Vergleicht man die Stromgestehungskosten auf Basis neu gebauter Kraftwerke, sind erneuerbare Energien konkurrenzlos billiger.

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Dieser Artikel erschien in unserer Mitglieder-Zeitung "windenergie".