14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Klimaschutz ernst nehmen

Neue Ziele erfordern eine klare Energiestrategie.

Mit der Ratifizierung des Klimaschutzabkommens von Paris hat der Staat Österreich sich verpflichtet, seinen Beitrag zur Verringerung der weltweiten Treibhausgas-Emissionen zu leisten. Das bedeutet im Klartext aber, dass die bisher als Maßstab angelegten EU-Klimaschutzziele für 2030 nicht mehr genügen und ab sofort Verpflichtungen aus dem Abkommen von Paris höhere Wertigkeit haben als die Vorgaben aus Brüssel. Eine weitere unumgängliche Konsequenz ist, dass Österreich sich rasch aus der fossil-atomaren Abhängigkeit befreien und den Umbau des Energiesystems auf erneuerbare Energien zügig durchführen muss.
Tatsache ist, dass die bisher in Österreich gesetzten Maßnahmen zu keiner Reduktion der Treibhausgas-Emissionen geführt haben. Die inländischen THG-Emissionen lagen 2015 mit rund 79 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent auf dem gleichen Niveau wie 1990. Um die weltweite Erderwärmung bis 2100 unter den Limits von 2 °C resp. 1,5 °C zu halten, muss Österreich folgenden Beitrag liefern: um unter dem 2 °C Limit zu bleiben, muss der THG-Ausstoß jährlich um 3 Millionen Tonnen zurückgehen und 2030 bei etwa 32 Millionen Tonnen liegen; um unter dem 1,5 °C Limit zu bleiben, muss der THG-Ausstoß jährlich um 4 Millionen Tonnen zurückgehen und 2030 bei etwa 21 Millionen Tonnen liegen.

Umstieg auf Erneuerbare

Wer nun allerdings glaubt, Österreich werde den eingegangenen Verpflichtungen rasch konkrete und verbindliche Taten folgen lassen, der irrt. Im Mai 2016 haben die Ministerien für Wirtschaft, Soziales, Landwirtschaft und Verkehr ein Grünbuch für eine integrierte Klima- und Energiestrategie vorgelegt, das aufgrund der aufgeworfenen Fragen bei den meisten Beteiligten lediglich verständnisloses Kopfschütteln ausgelöst hat. In vielen Passagen vermittelt das Grünbuch den Eindruck, die Pariser sowie alle anderen Vereinbarungen seien keine verbindlichen Abkommen und schon gar keine völkerrechtlichen Verträge, so als stehe es Österreich frei, zwischen verschiedenen Optionen zu wählen. Das geht aber an der rechtsstaatlichen wie auch energiepolitischen Realität haarscharf vorbei. Eine tatsächliche Strategie, mögliche Maßnahmen und damit verbundene Optionen für eine drastische Senkung der THG-Emissionen fehlen in dem Papier völlig, ebenso konkrete und verbindliche Ziele, die einen planbaren Horizont für Wirtschaft, Politik und Bevölkerung vorgeben würden.
Eine Klima- und Energiestrategie, die diesen Namen verdient, muss daher einen konkreten Plan für den Umstieg auf erneuerbare Energien und für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern entwerfen, muss also den notwendigen Umbau des Energiesystems aktiv anstoßen. Dazu gehören selbstverständlich auch Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz. Klar ist aber auch: Eine solche Umstellung kann nur gelingen, wenn sie von einer ökologischen Steuerreform flankiert wird, die unter anderem eine CO2-Abgabe einführt, wie das schon in vielen Ländern erfolgreich umgesetzt wurde.
Mit einem jährlichen Erzeugungspotenzial von 5,7 TWh Strom vermeiden Österreichs Windkraftwerke so viel CO2, wie 1,5 Millionen Autos jährlich ausstoßen – das sind mehr als 30% aller österreichischen PKW. Sollte bis 2030 das vorhandene Potenzial von 17,7 GWh Windstrom ausgeschöpft werden, würde die CO2-Einsparung dann fast so viel ausmachen, wie alle PKW in Österreich zusammen emittieren.

Der Internationale Klima-Rat (IPCC) hat berechnet, welche Gesamtmenge an Treibhausgasen in diesem Jahrhundert emittiert werden darf, um das 2°C Ziel wahrscheinlich zu erreichen. Aus dieser globalen Menge lassen sich Emissionsbudgets für jedes Land ermitteln.

Das Emissionsbudget für Österreich beträgt pro Jahr 14 Mio. t CO2e.
Die tatsächlichen Emissionen 2015 liegen bei 78 Mio, t Österreich emittiert daher fünf Mal so viel Treibhausgase als mit dem 2°C vereinbar. Ähnlich ist es auf europäischer Ebene.

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Dieser Artikel erschien in unserer Mitglieder-Zeitung "windenergie".