14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Faktencheck Energiewende

Neue Weichenstellungen für die Zukunft brauchen eine stabile Faktenbasis.

© Günsberg
 © Günsberg

Im Auftrag von Klima- und Energiefonds und Erneuerbare Energie Österreich hat Georg Günsberg den Faktencheck Energiewende 2016/17 ausgearbeitet.



Was ist der Faktencheck Energiewende und welches Anliegen steht dahinter?

Georg Günsberg: Der Faktencheck Energiewende ist nun zum bereits dritten Mal erschienen und setzt sich mit einigen sehr aktuellen klima- und energiepolitischen Argumentationen auseinander. Dabei werden viele Mythen bzw. einseitige Argumente gegen ambitionierten Klimaschutz identifiziert und auf Basis aktueller Studien und Analysen auf ihre Substanz überprüft. Wir arbeiten dabei wichtige Botschaften und die zugrundeliegenden Zahlen und Fakten textlich und grafisch auf. Der Faktencheck hat sich als Argumentationshilfe jedenfalls gut etabliert.



Was sind in der Version 2016/17 die wichtigsten Argumente?

Zentraler Angelpunkt ist das im November 2016 in Kraft getretene Pariser Klimaabkommen. Es ist die neue verbindliche Grundlage der Klimapolitik, die globale Erderwärmung deutlich unter +2°C zu halten und alle Anstrengungen zu unternehmen, um unter +1,5°C zu bleiben. Zudem erhält das Thema Investitionen und Infrastruktur hohe Bedeutung im Faktencheck. Das verbleibende „Carbon Budget“, also jene begrenzte Menge CO2, die wir noch in die Atmosphäre abgeben dürfen, bedeutet auch, dass wir uns jene Investitionen in Infrastrukturen nicht mehr leisten können, welche die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern erhöhen. Ob fossile Kraftwerke, Heizsysteme, klimaschädliche Verkehrs-, Siedlungs- und Gebäudestrukturen: sogenannte „Lock-In“-Effekte gilt es zu vermieden. Schon die Investitionsentscheidungen der nächsten Jahre sind maßgeblich dafür, ob die Klimaziele erreichbar bleiben.

Aber weiterhin wird die angeblich zu hohe Förderung für erneuerbare Energien kritisiert.
Das ist auch so ein Mythos, dem die Fakten eindeutig widersprechen. Allein die G20-Staaten haben laut internationalen Untersuchungen in den Jahren 2013 und 2014 jeweils über 450 Milliarden US-Dollar an Subventionen für fossile Energien ausgegeben – über Steuererleichterungen, Investitionen staatseigener Betreiber, Risikoübernahmen und öffentliche Finanzierungshilfen. Die Erneuerbaren dagegen wurden nur mit rund 150 Milliarden gefördert.



Sind die Erneuerbaren nun schon marktreif oder nicht?

Der Durchbruch der Erneuerbaren im Strommarkt ist evident. 53,6% der im Jahr 2015 neu installierten Leistung war erneuerbar. Die Stromgestehungskosten für Windkraft und Photovoltaik sind in den vergangenen Jahren weltweit stark gesunken. Aber solange die wahren Kosten für Kohle- und Atomstrom nicht eingepreist sind und Erneuerbare gegen insbesondere vor der Liberalisierung errichtete, abgeschriebene Fossil- und Nuklearkraftwerke in den Wettbewerb geschickt werden, kann von fairen Marktbedingungen keine Rede sein. Daher braucht es Instrumente, welche die alten klima- und umweltschädigenden Platzhirsche vom Markt drängen – etwa angemessene CO2-Preise. Oder eben entsprechende Förderinstrumente.



Das europäische Emissionshandelssystem ist aber nach wie vor wirkungslos.

Ja, aber wir beobachten zugleich, dass die Anzahl der Staaten und Regionen, die CO2-Preissysteme etablieren, steigt. Das Argument, dass entsprechende steuerliche Maßnahmen ein wirtschaftsschädlicher Alleingang wären, ist nicht haltbar. Rund 100 Staaten haben entsprechende Instrumente als Teil ihrer nationalen Verpflichtungen zur Umsetzung von Paris genannt. Wir dürfen in Europa keine Zeit mehr verlieren, denn in der dynamischen Entwicklung der erneuerbaren Energiemärkte haben wir deutlich an Terrain verloren. Es braucht jetzt die Rolle als Innovationsmotor, um im globalen Strukturwandel der Energieversorgung vorne dabei zu sein.

Der Faktencheck Energiewende 2016/2017 kann als Druckversion per E-Mail (office@klimafonds.gv.at) bestellt werden und ist als PDF online verfügbar unter: www.faktencheck-energiewende.at

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Dieser Artikel erschien in unserer Mitglieder-Zeitung "windenergie".