14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Nachgefragt bei Florian Maringer Geschäftsführer Erneuerbare Energie Österreich

Florian Maringer war seit 2011 im Team der IG Windkraft, seine Arbeitsschwerpunkte waren Energiepolitik und Technologie; seit März dieses Jahres ist er Geschäftsführer des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich.

Welche Elemente sollte die geplante Klima- und Energiestrategie unbedingt enthalten?

Florian Maringer: Aufbauend auf den vielen Diskussionen der letzten eineinhalb Jahre gibt es schon eine sehr klare Linie: Es braucht eindeutige und verbindliche Ziele bis 2030, um Investitionen nicht in den luftleeren Raum zu tätigen, sondern Sicherheit zu haben. Es braucht vor allem aber auch konkrete Maßnahmen, messbar und klar definiert. Was eindeutig nicht passieren darf, ist, dass man all das vorlegt, aber dann bei Definitionen und statistischen Messgrößen herumschraubt, um ein Imageprodukt ohne jede Wirksamkeit zu bekommen. Der Weg bis 2030 und darüber hinaus muss klar gesetzt sein. Wenn das nicht sichergestellt wird, sollte man die Strategie gleich in der Schublade verschwinden lassen.

Was muss ein neues Energiegesetz können?

Ein Energiegesetz muss die Frage beantworten: Wie baue ich das Energiesystem auf erneuerbare Energien um? Nachdem wir jahrzehntelang ein fossiles System aufgebaut haben, ist es an der Zeit, dieses abzureißen. Das geht nur durch die Übernahme von politischer Verantwortung und durch klare Aufträge. Wir brauchen Sicherheit für den Aufbau neuer Kraftwerke, für den Umbau der Stromnetze und für Endverbraucher, seien es Haushalte oder Unternehmen. Immerhin müssen diese ebenso Investitionen tätigen, die unseren Energieverbrauch, aber auch den Umgang mit Energie maßgeblich prägen. Außerdem muss eines sichergestellt sein: Das Energiesystem ist kein Spielplatz. Hier geht es um die leistbare Versorgungssicherheit. Das ist nur mit Erneuerbaren möglich, und nur, wenn wir konsequent umbauen. Fossile Energien sind, egal ob es Erzeugung betrifft oder die Durchleitung von Strom, ein Auslaufmodell. Und so müssen sie auch behandelt werden.

Was kann und muss Österreich während seines EU-Ratsvorsitzes bewegen?


Beim Migrationsthema ist man sehr ambitioniert, Initiative zu zeigen und die EU lenken zu können. Ich bin überzeugt, dass das auch am Energie- und Klimasektor möglich ist. Alles andere wäre in einem Land, das sich 100% erneuerbare Energien beim Strom als Ziel bis 2030 gesetzt hat, irrational. Österreich muss die vorhandenen Verbündeten sammeln und die Präsidentschaft nutzen, um das „Winterpaket“ zu einem nachhaltigen Abschluss zu bringen. Derzeit verhalten wir uns noch wie Zuschauer, wir müssen aber endlich Mitspieler werden.

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Dieser Artikel erschien in unserer Mitglieder-Zeitung "windenergie".