14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Konkrete Klimapolitik ist gefragt

Österreichs CO2-Budget wird ohne Maßnahmen bis 2035 erschöpft sein.

Im Juni 2017 hat eine Gruppe von 60 führenden Wissenschaftlern, Wirtschaftslenkern und NGO-Vertretern in der angesehenen Wissenschaftszeitschrift „Nature“ ein Manifest veröffentlicht, in dem diese einen dringenden und nachdrücklichen Appell an die G-20-Staaten richten, ihre Anstrengungen zur Eindämmung des Klimawandels massiv zu beschleunigen. Sollten nämlich die Treibhausgasemissionen über 2020 hinaus steigen oder auf derzeitigem Niveau bleiben, seien die Ziele des Pariser Klimaabkommens, die Erderwärmung unter 2 °C, bestenfalls sogar unter 1,5 °C zu begrenzen, nahezu unerreichbar. Spätestens 2020 muss also der Wendepunkt erreicht sein, spätestens ab dann muss die Emissionskurve zu fallen beginnen.

Das Ende der Fahnenstange

Um zumindest das 2 °C Limit zu halten, müssen die weltweiten CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 auf null runtergefahren werden und es dürfen bis dahin insgesamt nicht mehr als 800 Milliarden Tonnen CO2 emittiert werden, da CO2 nicht verschwindet, sondern mehrere hundert Jahre in der Atmosphäre verbleibt. Diese 800 Gigatonnen sind das ultimative CO2-Budget, das wir weltweit noch aufzehren können – dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht.
Im Oktober 2017 haben die Klimawissenschaftler Karl Steininger und Lukas Meyer vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Karl-Franzens-Universität Graz ihre Studie „Das Treibhausgas-Budget für Österreich“ vorgelegt, in der sie aus dem global noch verfügbaren Budget jenes für Österreich abgeleitet haben. Das ergibt – je nach Berechnungsart – ein Restbudget von rund 1.000 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, mit dem wir bis 2050 haushalten müssen. Machen wir mit unseren Emissionen allerdings in dem Tempo weiter wie bisher, wird dieses Budget schon 2035 restlos aufgebraucht sein.
Bis dato ist die langfristige Entwicklung in Österreich wahrlich noch keine Erfolgsgeschichte. 2015 lagen die CO2-Emissionen mit 78,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent auf dem gleichen Niveau wie schon 1990. Von 2014 auf 2015 sind sie sogar um 3,2% gestiegen. Fazit: Kein Fortschritt beim Klimaschutz in den letzten drei Jahrzehnten.

Appell der Wissenschaftler

Im April 2018 haben Österreichs Klimaforscher deshalb in einer gemeinsamen Pressekonferenz den Regierungsentwurf für eine Klima- und Energiestrategie eindringlich kritisiert: Ziele zu niedrig und nur schwammig formuliert, Maßnahmen nicht ausreichend, Strategie diffus. Es brauche, so die Wissenschaftler klare Zuständigkeiten, Ziele und Zeitpläne. Die Klimastrategie geht davon aus, dass Österreich bis 2030 rund 36% weniger CO2 emittieren müsse als 2005 – doch das, so warnen die Forscher, greift viel zu kurz. Ausgehend von dem vom Wegener Center für Österreich errechneten CO2-Restbudget muss vielmehr eine Reduktion von zumindest 45% bis 52% erreicht werden.
Diese wissenschaftlichen Fakten und Einschätzungen bestätigen die von der IG Windkraft vorgebrachten Argumente, wie Geschäftsführer Stefan Moidl klarmacht: „Die Wissenschaftler sagen uns, dass wir die Emissionswende spätestens 2020 schaffen müssen. Die laufende Legislaturperiode geht bis 2022, die Regierung darf also keine Zeit verlieren und muss schon jetzt rasch handeln. Ansonsten müssen später gravierende Notfallmaßnahmen gesetzt werden – mit hohem Schmerzensgeld für heutiges klimapolitisches Nicht-Handeln. Eine Nachschärfung der Klima- und Energiestrategie wäre der notwendige erste Schritt.“

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Dieser Artikel erschien in unserer Mitglieder-Zeitung "windenergie".