14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Der Pfad Richtung 2030

Jürgen Schneider, Klimaexperte des Umweltbundesamtes.

© Umweltbundesamt / H. Ringhofer
 © Umweltbundesamt / H. Ringhofer

Wie kann das CO2-Budget Österreichs möglichst lange reichen?
Das CO2-Budget zeigt zweierlei: Erstens, dass es notwendig ist, Emissionen in allen Bereichen zu reduzieren. Dies bedeutet bei der Energiewende alle Bereiche einzubeziehen, in denen fossile Energie eingesetzt wird. Dies umfasst den Stromsektor aber auch Mobilität, Gebäude und Industrie. Zweitens kommt es darauf an, die Emissionen möglichst rasch zu mindern. Wichtig ist, jetzt zu handeln.

Welchen Pfad zeigt das Szenario des Umweltbundesamtes?
Die Arbeiten des Umweltbundesamtes und anderer Forschungseinrichtungen zeigen, dass in allen Sektoren CO2-Emissionen reduziert werden müssen und dass dieses Potenzial bei geeigneten Rahmenbedingungen ökonomisch und sozial verträglich gehoben werden kann. Generell steigt die Bedeutung des Energieträgers Strom deutlich an. Dies bedingt auch einen Umbau der relevanten Infrastruktur. Im Gebäudebereich ist eine Steigerung der Sanierungsrate in Kombination mit einem konsequenten Ersatz fossiler Heizungssysteme durch Erneuerbare Energieträger notwendig. Im Bereich der Mobilität geht es darum, Mobilitätszwänge zu vermeiden, zu Fuß gehen, Fahrrad fahren und den öffentlichen Verkehr auf Kosten des motorisierten Individualverkehrs zu stärken und fossile Antriebe schrittweise durch klimafreundliche Antriebe zu ersetzen. Dies ist im Personenverkehr relativ rasch möglich, im Güterverkehr zeitversetzt. Besonders schwierig ist die Situation bei der Industrie, da hier zumindest EU-weite Regelungen notwendig sind.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Effizienz und dem Ausbau der Erneuerbaren?
Ohne eine massive Steigerung der Energieeffizienz ist eine Dekarbonisierung, also ein Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energie nicht möglich. Unsere Arbeiten zeigen, dass in für die Energiewende zentralen Bereichen wie der Mobilität ohnehin riesige Effizienzgewinne durch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und einen breiten Umstieg auf Elektromobilität möglich sind. So kann auch bei wachsender Wirtschaftsleistung der Energieverbrauch sinken.

Was braucht es jetzt, um die Pariser Klimaziele erreichen zu können? Es braucht eine konsequente Ausrichtung an dem Ziel der Dekarbonisierung, eine Vermeidung von Investitionen in fossile Energie und ein möglichst rasche Umsetzung entsprechender Maßnahmen auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene.

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Dieser Artikel erschien in unserer Mitglieder-Zeitung "windenergie".