14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Auslaufmodell Atomkraftwerk

Nur 14 der 28 EU-Staaten betreiben Atomkraftwerke.

Waren 1989 noch 177 AKWs in Europa in Betrieb, sind es jetzt nur mehr 126. Über die Hälfte davon stehen in Frankreich, die 58 Reaktoren liefern über 70% der gesamten Stromproduktion. Bis 2025 will Umweltminister Nicolas Hulot an die 17 AKWs abschalten, um das Ziel des französischen Energiewende-Gesetzes zu erreichen, den Atomanteil an der Stromproduktion auf unter 50% zu senken. Stromerzeugung mittels Kernspaltung ist in Europa ein Auslaufmodell und in der Summe ihrer Nachteile eine von Anfang an gescheiterte Technologie.

Nur mit Staatssubventionen rentabel

Der Bau von AKWs brauchte immer massive staatliche Subventionen aus Steuergeldern, denn Atomstrom war marktwirtschaftlich nie wettbewerbsfähig – und ist es bis heute nicht. Obwohl auf dem absteigenden Ast, gibt sich die Atomlobby aber noch nicht geschlagen und versucht, die gescheiterte Atomindustrie künstlich am Leben zu halten. Weil der Bau neuer AKWs marktwirtschaftlich ein enormes Verlustgeschäft ist, wollen einige Länder das mit hohen Staatssubventionen ausgleichen, was am EU-Energiemarkt laut Beihilfenrecht nicht gestattet ist. Unsummen an Steuergeldern wurden über Jahrzehnte in die Atomkraft gesteckt, dennoch liefert sie nur 2,5% der weltweiten Endenergie – erneuerbare Energien dagegen mit wesentlich geringerem Aufwand mittlerweile 19,2%.

Kein Geld mehr für Atomforschung

Das Atomsperrgesetz verbietet den Bau von Atomkraftwerken in Österreich. Dennoch ist Österreich Mitglied der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM), deren Ziel die massive Förderung der europäischen Atomindustrie ist. Der EURATOM-Vertrag bildet auch die Grundlage für die Finanzierung von Atomforschung. Im aktuellen 8. EU-Forschungsrahmenprogramm HORIZON 2014-2020 werden für die Atomenergie jährlich 872 Millionen Euro, in Summe also mehr als 6 Milliarden Euro bereitgestellt, zu denen Österreich seinen Beitrag leistet.

Veraltet und undemokratisch

EURATOM steht außerhalb des EU-Vertrages und unterliegt keiner demokratischen Kontrolle. Sein veralteter Ansatz ist, „die Voraussetzung für die Entwicklung einer mächtigen Kernindustrie zu schaffen“. Das steht heute jedoch in krassem Widerspruch zu den Bestrebungen der EU für einen gemeinsamen Energiemarkt mit Gleichbehandlung von Energieerzeugern und -trägern. Seit über 60 Jahren fördert EURATOM die Atomkraft, doch bis heute hat es die Atomindustrie nicht geschafft, ohne Subventionen am Markt zu bestehen, geschweige denn das Atommüllproblem zu lösen. Dennoch ist jeder Ansatz zu einer Reform des Vertrages bisher im Sand verlaufen. Will Österreich wirklich atomfrei sein, muss es sich proaktiv für eine Änderung des EURATOM-Vertrags stark machen.

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Dieser Artikel erschien in unserer Mitglieder-Zeitung "windenergie".