14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Ausschreibungen in Deutschland verfehlen Ziele

Massive Kündigungen wegen Einbruch beim Zubau.

Exakt am 17. August wurden in Deutschland die Zuschläge für die dritte Ausschreibung 2018 für Windenergie an Land erteilt. Ausgeschrieben waren 670 MW, Gebote für nur 666 MW erhielten einen Zuschlag. Die letzte Ausschreibung im Mai 2018 war mit minus 10% klar unterzeichnet gewesen. Die ursprünglich vorgesehenen Erleichterungen für Bürgerenergiegesellschaften waren in den früheren Auktionsrunden von professionellen Projektierern mit gesellschaftsrechtlichen Tricks ausgenutzt worden. Im neuen Ausschreibungsmodus wurden sie gleich ganz eliminiert, dadurch sind aber zwei dezidierte Ziele der deutschen Energiewende – nämlich Akteursvielfalt und Bürgerenergie – völlig aufgegeben worden.

Vergütungshöhe gestiegen

Ein weiterer ungewollter Effekt: Anders als es die Propheten von Ausschreibungen immer wieder erklären, sinkt die damit ermittelte Vergütungshöhe nicht automatisch. Der durchschnittliche Zuschlagswert stieg auf 6,16 Cent/kWh. In den vorhergehenden Runden lag er im Mai 2018 noch bei 5,73 und im Februar 2018 bei 4,73 Cent/kWh. Damit sind die Tarife in Deutschland nun höher, als eine administrative Festlegung es ergeben hätte. Dies hat das Fraunhofer-Institut in Kooperation mit dem IZES in einer Studie eindeutig belegt.

Neben der mit den Ausschreibungen angepeilten niedrigeren Vergütung – die offenkundig nicht stattfindet – wird von der deutschen Regierung als weiteres zentrales Ziel der kontrollierte Ausbau der erneuerbaren Energien genannt. Doch auch dieses Ziel wird mit dem neuen EEG nicht annähernd erreicht. Das realitätsferne Ausschreibungsmodell hat bereits gravierende Folgen ausgelöst. Im Jahr 2017 lag der Zubau noch bei 5.300 MW. 2018 wird das Zubauvolumen auf voraussichtlich 3.500 MW zurückgehen. Für 2019 und 2020 rechnet der Bundesverband WindEnergie (BWE) mit einem jährlichen Zubau von maximal 2.000 MW. Dieser Markteinbruch auf nur noch ein Drittel des Volumens von 2017 liegt deutlich unter der im EEG festgeschrieben Deckelung des Zubaus auf jährlich 2.800 MW bzw. 2.900 MW.

BWE-Präsident Hermann Albers sagt zu dieser dramatischen Entwicklung: „Die Bundesregierung spricht einerseits von der Erreichung ambitionierter Ausbau- und Klimaschutzziele für die Jahre 2030 und 2050, andererseits legt sie genau den Unternehmen Steine in den Weg, die die Erreichung dieser Ziele ermöglichen sollen. Durch die starke Ausbaukürzung ist die Bundesregierung für den massiven Stellenabbau mitverantwortlich.“ Schon im vergangenen Jahr mussten mehrere Unternehmen aus der Windbranche Kündigungen aussprechen, 2018 setzt sich dieser Trend fort. Neben den Anlagenherstellern sind vor allem Zulieferunternehmen betroffen, die bereits Tausende Stellen abbauen mussten.

„Die Auswirkungen auf die Beschäftigten sind dramatisch. Sie spüren den Kostendruck und die Unsicherheit durch die neu eingeführten Ausschreibungen“, sagt Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Seit Anfang vergangenen Jahres seien bereits mehr als 2.000 Arbeitsplätze in seiner Region verlorengegangen. Eine Befragung von Betriebsräten in Unternehmen der Windenergiebranche hat ergeben, dass fast 40% in ihrem Unternehmen bis Ende des Jahres einen weiteren Personalabbau erwarten.

Die Situation in Österreich

„Wenn die Erneuerbaren bis 2030 in Österreich 100% Strom liefern sollen, erfordert das einen starken Ausbau. Dafür braucht der Markt Stabilität und Investitionssicherheit“, sagt IGW-Chef Stefan Moidl. „Ausschreibungen bringen von all dem sehr wenig, erhöhen stattdessen spekulative Unsicherheiten. Bei der Einführung neuer Instrumente ist es wichtig, sich die Erfahrungen in anderen Ländern anzusehen, und die sind nicht gerade Vertrauen erweckend. Die bestehenden EU-Leitlinien präferieren Ausschreibungen, es bestehen aber klare Ausnahmen. Die Festlegung der Tarife für ein Marktprämienmodell durch die Behörden ist daher möglich.“

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Dieser Artikel erschien in unserer Mitglieder-Zeitung "windenergie".

Weiterführende Links

Studie zeigt bei Ausschreibungen mehr Nachteile als Vorteile (Video)