14. Österreichisches Windsymposium24. bis 25. November 2020

Extreme Kostenunterschiede für Stromerzeuger in der EU.

Die Berechnung der Wirtschaftlichkeit von Windkraftanlagen beschränkt sich meistens auf die Faktoren Windverhältnisse und Investitionskosten. Einen deutlich komplexeren Ansatz verfolgt eine aktuelle Studie des deutschen Think Tank Agora Energiewende.

Diese untersucht im Detail die Auswirkungen nationaler Regulierungen auf die Kosten von Windkraftprojekten. Die Analyse bezieht sich auf die Region des Pentalateralen Energieforums, in der schon heute ein intensiver Stromaustausch stattfindet. Dieses Energieforum wurde 2005 von Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz gegründet, um die regionale Kopplung der Strommärkte zu verbessern.

Hohe Kosten in Österreich

Natürlich spielen Winddargebot und Investitionskosten entscheidende Rollen in der Bewertung eines Windkraftprojektes. Erzielt man etwa an einem Standort 10% mehr Volllaststunden, senkt dies die Stromgestehungskosten um 8%. Steigen die Investitionskosten um 10%, erhöht dies die Stromgestehungskosten um 5,5%. Doch um die zentrale Aussage der Studie gleich vorwegzunehmen: Die Summe der regulatorischen Rahmenbedingungen in den einzelnen PENTA-
Ländern hat ebenfalls einen sehr starken Einfluss auf die Kosten und wirkt sich mitunter stärker aus als etwa die Unterschiede zwischen den Standortqualitäten. Bei der Präsentation der Studie im November in Wien erläuterte Christian Redl von Agora Energiewende (früher wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Wien) die wichtigsten Details. Vor allem vier Parameter aus dem regulatorischen Umfeld sind für die Stromgestehungskosten von besonderer Bedeutung: Kosten für Planung und Genehmigung, Netzkosten, Steuern und Finanzierungskosten.

Aus diesem Quartett sind es vor allem die Netz- und die Finanzierungskosten, die auf die Rentabilitätsrechnung von Windkraftprojekten die massivste Auswirkung haben. Zum Nachteil seiner Stromerzeuger sticht Österreich aus dem Ländervergleich der Netzkosten besonders hervor. In keinem anderen Land sind diese Kosten so hoch wie in Österreich. Für Redl mit eindeutig negativen Effekten verbunden: „Das hat auch Folgen für den Wettbewerb am Strommarkt. Durch die höheren Netzkosten sind österreichische Erzeuger gegenüber jenen in Deutschland deutlich benachteiligt.“ Und während Stromerzeuger in Deutschland und den meisten anderen PENTA-Ländern keine Netznutzungsgebühr entrichten müssen, werden jene in Österreich dafür zur Kasse gebeten. Deshalb fordert IGW-Geschäftsführer Stefan Moidl: „Diese Netzkosten für Erzeuger in Österreich gehören endlich abgeschafft.“

Durchschnittliche Kosten für Netzzugang und -nutzung

Bild: © EcofysBild: © Ecofys

In keinem anderen Land sind die Netzkosten so hoch wie in Österreich, was einen
klaren Wettbewerbsnachteil für die heimischen Stromerzeuger mit sich bringt.

Teure Risikofinanzierung

Die zweite wesentliche, um nichts weniger wichtige Einflussgröße sind die Finanzierungskosten. Redl sagt: „Die Finanzierungskosten haben genaugenommen den größten Anteil, allerdings auch die größte Schwankungsbreite.“ In ihnen manifestiert sich die Einschätzung des Projektrisikos durch die finanzierenden Banken: je höher das Risiko, desto höhere Aufschläge werden eingepreist. Auch dieser Kostenfaktor ist in Österreich mit am höchsten. „Die Kreditbedingungen gestalten sich nach den Regeln des Marktes“, betont Christian Redl. „Natürlich kann die Politik Finanzierungskosten nicht direkt beeinflussen, dennoch reflektieren diese die regulatorischen Rahmenbedingungen in einem Land.“ Für Österreich ergänzt Moidl: „Finanzierungskosten steigen durch Unsicherheit im Fördersystem. 200 fertig genehmigte und faktisch baureife Windräder, die jahrelang ohne Garantie auf die Umsetzung warten müssen, sind eher nicht geeignet, diese Unsicherheit zu reduzieren.“

Nachteile beseitigen

Die Gesamtbetrachtung zeigt, dass wegen der unterschiedlichen regulatorischen Bedingungen die Kosten für Windkraftprojekte in Österreich fast doppelt so hoch sind wie jene in Deutschland. Dieses Ergebnis muss auch für das neue Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz beachtet werden, das derzeit in Ausarbeitung ist. Das regulatorische Umfeld der erneuerbaren Energien muss neu gestaltet und wettbewerbliche Nachteile gegenüber anderen EU-Ländern beseitigt werden. Nur dann kann dieses Gesetz funktionieren und die Ausbausteigerung bei den Erneuerbaren ins Laufen bringen.

Die Studie zeigt auch, dass das neue Gesetz in erster Linie den österreichischen Gegebenheiten Rechnung tragen muss, ohne zu kopieren, was nicht vergleichbar ist. Deswegen mahnt Moidl: „Der starke Einfluss der nationalen Rahmenbedingungen auf die Kosten von Windkraftprojekten zeigt sehr deutlich: Förderbedingungen aus anderen Ländern einfach so zu übernehmen, macht keinen Sinn, denn diese sind in einen ganz anderen Kontext eingebettet. Das gilt auch und nicht zuletzt für Ausschreibungen, die bis jetzt in keinem Land den Windkraftausbau essenziell voranbringen konnten. Ausschreibungen für die Fördervergabe sind für österreichische Gegebenheiten nicht zielführend und sollten im neuen Gesetz keinen Platz haben.

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Dieser Artikel erschien in unserer Mitglieder-Zeitung "windenergie".